Öffentlichkeit


Pressemitteilung 01.04.2025


Rechtsradikaler Angriff auf das Hausprojekt „Zelle79“ in Cottbus – Wiederholte Attacke
und Bedrohung der Nachbarschaft


In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde das Hausprojekt „Zelle79“ in Cottbus Ziel
rechtsradikal motivierter Angriffe. Es wurden Steine gegen die Hauswand geworfen und
Parolen gebrüllt. der Briefkasten wurde zerstört und das großflächige Graffiti-Kunstwerk
an der Fassade beschädigt. Auch ein Fenster in der Nachbarschaft ging zu Bruch.
Am Freitag, den 28.03.2025 kurz vor 23 Uhr kam es zu einem ersten Angriff, der die
Bewohner*innen des Hausprojekts aufschreckte. Eine kleine Gruppe von vermummten
Personen brüllte einschlägige Parolen und warf Pflastersteine von bis zu 10 cm
Kantenlänge gegen die Hausfassade. Eine Glasflasche ging zu Bruch und die Täter*innen
entfernten sich zügig und unerkannt.
Bei der anschließenden Begutachtung der Schäden stellte sich heraus, dass unser
Briefkasten erneut völlig zerstört, ein Fensterladen beschmiert und einige Rollos
beschädigt wurden. Außerdem fanden sich im Putz bis zu 15cm große Löcher. Auch bei
einem Nachbarn wurde ein Fenster eingeschmissen.
Aber es sollte nicht der letzte Angriff bleiben: Nur wenige Stunden später kamen erneut
mehrere vermummte Angreifer. Diesmal wurden kleinere Steine geworfen, offenbar mit
dem Ziel, das bereits beschädigte Graffiti weiter zu zerstören. Auch diese Täter
verschwanden so schnell, dass sie unerkannt blieben.
Im Hintergrundpapier der Opferperspektive sind bereits für das Jahr 2024 gegen die
Zelle79 gerichtete Angriffe und rechte Einschüchterungsversuche dokumentiert. Erst am
frühen Freitagabend beteiligten wir uns an der Aktion von „Unteilbar Südbrandenburg“
und der „Opferperspektive“ zu den gestiegenen Fallzahlen rechter Gewalttaten im Jahr
2024. Nur wenige Stunden später waren die Nazis wieder vor unserer Tür.
„Unser Haus wird von einem Verein genutzt, der sich aktiv gegen Diskriminierung,
Rassismus und rechte Gewalt engagiert. In den oberen Stockwerken befindet sich
jedoch auch eine Wohngemeinschaft – der Angriff nahm offensichtlich auch die
Gefährdung von Menschenleben in Kauf. Wir wollen uns nicht ausmalen, was hätte
passieren können, wären die getroffenen Rollos nicht geschlossen gewesen. Wir
verurteilen aufs schärfste, dass auch unsere Nachbarschaft ins Visier genommen wurde
– auch deren Gefährdung nahmen die Täter*innen billigend in Kauf.“, sagt Caroline
Schmitt aus dem Hausprojekt „Zelle79“.
Der Vorfall reiht sich ein in eine steigende Zahl politisch motivierter Einschüchterungsversuche gegen linke Freiräume in ganz Brandenburg – von Cottbus
über Senftenberg bis Neuruppin. Eine Tendenz, auf die die Opferperspektive in
unermüdlicher Arbeit seit Jahren hinweist.
„Diese wiederholten, gezielten Angriffe zeigen, wie wichtig die Arbeit von Akteuren wie
uns ist. Wir lassen uns nicht einschüchtern und stehen solidarisch mit allen, die sich für
Gleichberechtigung, ein freiheitliches Leben für alle und eine gerechtere Gesellschaft
einsetzen.“, so Fabi Buchholz aus dem Hausprojekt „Zelle79“.
Wir sind kein Einzelfall – zusammen bieten wir den Nazis die Stirn!
Kontakt für Rückfragen:
info@zelle79.org


Instagram-Post der Opferperspektive zum Vorfall hier

Artikel vom 02.04.2025 vom Tagesspiegel / PNN hier

Artikel vom 02.04.2025 vom ND hier


Hintergrund

Statistik der Opferperspektive zu rechten Gewalttaten 2024

Link zur Website


PM von Unteilbar Sübdbrandenburg von der Kunstaktion gegen rechte Gewalt am 28.03.


Kunstaktion gegen rechte Gewalt: #unteilbar-Südbrandenburg lädt am
28. März auf den Altmarkt Cottbus/Chóśebuz

Cottbus/Chóśebuz, den 26. März 2025.
Anlässlich der Veröffentlichung der Statistik rechter Gewalt in Brandenburg
im Jahr 2024 durch die Opferperspektive am Freitag, den 28.3.2025, lädt das
Bündnis #unteilbar-Südbrandenburg am selben Tag, um 17 Uhr, zu einer Kunstperformance auf den
Cottbuser Altmarkt ein. Bei der Aktion werden die Zahlen zu rechter Gewalt in Brandenburg
bildlich und eindrucksvoll dargestellt. Durchgehend werden dabei Stimmen von Betroffenen rechter
Gewalt in Brandenburg hörbar.
Das Bündnis #unteilbar-Südbrandenburg macht weiterhin darauf aufmerksam, dass seit den
Landtagswahlen eine deutliche Zunahme von rechter Gewalt in Cottbus/Chóśebuz und Umgebung
zu verzeichnen ist. So gab es zuletzt Angriffe mit rassistischen und neonazistischen Motiven gegen
Studierende der BTU Cottbus-Senftenberg; es wurden Sprengsätze am Kultur- und
Nachbarschaftsort Rosa in der Bahnhofstraße gezündet; Hausprojekte und ihre Bewohner*innen
bedroht und nicht zuletzt wurde der Jugendclub Jamm in Senftenberg von Neonazis angegriffen.
„Wir erleben in Cottbus/Chóśebuz und ganz Brandenburg gerade eine neue Welle rechter Gewalt.
Bund, Land, Kommunen sowie Polizei und Justiz sind gefordert, jetzt entschieden zu handeln und
diese Gewalt zu stoppen“, fordert Dieter Baumstümmler vom Bündnis #unteilbar-Südbrandenburg.
Dringend fordert das Bündnis #unteilbar-Südbrandenburg angesichts der Zunahme rechter Gewalt
in Cottbus/Chóśebuz und ganz Brandenburg eine verlässliche und dauerhafte Förderung der
Beratungsstellen der Opferperspektive durch das Land Brandenburg. „Ohne die Unterstützung
durch die Beraterinnen und Berater der Opferperspektive ständen von rechter Gewalt und
Diskriminierung Betroffene vielmals alleine da. Es wäre niemandem vermittelbar, sollte die
Landesregierung angesichts der deutlichen Zunahme rechter Gewalt, den Beratungsstellen der
Opferperspektive die Gelder kürzen. Im Gegenteil: Gerade jetzt müssen diese ausgebaut werden“,
fordert Dieter Baumstümmler vom Bündnis #unteilbar-Südbrandenburg.
Um rechte Gewalt in Brandenburg zu stoppen, fordert das Bündnis, eine konsequente
Strafverfolgung von rechten Gewalttätern und zügige Gerichtsverfahren. „Es kann nicht sein, dass
selbst bei versuchtem Totschlag die Täter noch Jahre nach der Tat frei durch die Stadt laufen und die
Betroffenen rechter Gewalt in ständiger Angst vor erneuter Gewalt leben müssen. Rechte
Gewalttäter erleben in der Lausitz eine Kultur der Straflosigkeit. Das ermutigt sie zu immer neuer
Gewalt. Es ist dringend an der Zeit, dass unser Staat hier Handlungsfähigkeit zeigt und gegen
Strukturen der extremen Rechten hart durchgreift,“ ergänzt Lukas Pellio, Teil des Bündnisses und
Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde Cottbus/Chóśebuz, auch angesichts der Gewalt
gegen Studierende.
#Unteilbar-Südbrandenburg hat sich 2021 gegründet, um die demokratische und antifaschistische
Zivilgesellschaft in Südbrandenburg sichtbar zu machen. Seitdem tritt das Bündnis regelmäßig mit
kreativen, stimmungsvollen und großen Kundgebungen und Demonstrationen an die Öffentlichkeit.
2024 brachte #unteilbar-Südbrandenburg angesichts der Deportationspläne der extremen Rechten
5.000 Menschen vor der Cottbuser Stadthalle auf die Straße. Zu den Kommunal- und Europawahlen
im Juni 2024 versammelten sich viele Menschen aus der Region unter dem Motto „Kuchen für alle“
an der längsten Kuchentafel der Lausitz im Cottbuser Puschkinpark. Auch im laufenden Jahr setzt
das Bündnis seine kontinuierliche Arbeit für Solidarität und Vielfalt und gegen die extreme Rechte
in der Region mit vielfältigen Aktionen fort.